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"Wie sprichst du denn?", Artikel in UniZet 455, Mai 2018

Mehrsprachigkeit beschäftigt Kinder, Forschung und Studierende

Der zehnjährige Achraf hat folgende Vorstellung von Sprache: „Eine Sprache kann man, wenn man eine Serie im Fernsehen versteht.“ Er „kann“ immerhin drei Sprachen: Neben Deutsch auch noch Spanisch und marokkanisches Arabisch. Dass Achraf mehrsprachig ist, findet Prof. Barbara Mertins „cool und schlau“. Das erzählt sie rund 40 Kindern und Eltern bei der Auftaktveranstaltung der KinderUni im Kinder-, Jugend- und Familienzentrum „Stern im Norden“ nahe des Dortmunder Borsigplatzes.

Fast alle Besucherinnen und Besucher dieser ersten Vorlesung im Sommersemester der KinderUni sind mehrsprachig. David mit seinen sieben Jahren spricht zum Beispiel zu Hause Russisch oder Ukrainsch, in der Schule Deutsch. „Mehrsprachler“ sind vielen Vorurteilen ausgesetzt – häufig von Menschen, die nur eine Sprache beherrschen: Mehrere Sprachen würden sie sprechen, aber keine richtig, heißt es dann. Prof. Mertins setzt bei ihrer Veranstaltung „Mehrere Sprachen sprechen? Cool und schlau!“ wissenschaftliche Fakten gegen die Vorurteile.

Aufwachsen mit mehreren Sprachen bringt Vorteile in der Entwicklung

Vor allem Kinder, die mit mehreren Sprachen aufwachsen, hätten Vorteile in ihrer weiteren Entwicklung gegenüber Menschen, die nur eine Sprache sprechen. Im Gehirn müssten Mehrsprachler bestimmte Begriffe in einen Zusammenhang setzen und dann schauen, welche Bedeutung die Silbe hat. So kann die Silbe „meis“ sowohl für die Feldfrucht Mais als auch für Mäuse im Englischen stehen. Dieser Prozess fördere das Denken und Agieren und überfordere das Gehirn nicht. Letztlich profitieren die Mädchen und Jungen davon.

Seit Herbst 2016 ist Mehrsprachigkeit für Prof. Barbara Mertins ein Thema über die TU Dortmund-Welt hinaus: Neben der KinderUni führt sie in Kooperation mit dem FABIDO Verbund und ab dem Sommersemester 2018 mit der Einrichtung HoKiDo e.V. Veranstaltungen für die KitaUni für Vier- bis Sechsjährige durch.

Neuer Studiengang in Dortmund und Bochum

Mehrsprachigkeit ist nicht zuletzt wegen der Zuwanderung immer mehr zu einem wichtigen Thema geworden. Das ist für die TU Dortmund Anlass, gemeinsam mit der Ruhr-Universität Bochum (RUB) voraussichtlich zum Wintersemester 2018/19 den Masterstudiengang „Empirische Mehrsprachigkeitsforschung“ einzurichten. Das Studium richtet sich an Absolventinnen und Absolventen philologischer Fächer und bietet eine fundierte Ausbildung in empirischer, linguistischer Forschung sowie eine solide Methodenkompetenz. Die Studierenden haben die Möglichkeit einer individuellen Schwerpunktsetzung in den Bereichen Linguistik, empirische Methoden und Fremdsprachen. Das integrierte Praktikum und die forschungspraktische Ausrichtung bereiten die Studierenden auf eine berufl iche Tätigkeit in Wissenschaft und Forschung sowie mehrsprachigkeitsbezogenen Einrichtungen vor.

Dass Mehrsprachigkeit ein Gewinn ist und Chancen für den Einzelnen und die Gesellschaft daraus erwachsen, war auch schon Thema einer Ringvorlesung, die die TU Dortmund gemeinsam mit der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt hat. Bei der jüngsten Veranstaltung im April ging Prof. Barbara Mertins beispielsweise Fragen nach wie: „Ab wann gilt ein Mensch eigentlich als biligual? Glauben Sie, dass Mehrsprachigkeit Vorteile bringt? “

 

Psycholinguistics laboratories in NRWision, April 2018